Algen und Risse an der Fassade: Ursachen, Kosten und wie Sie vorbeugen
Algenbefall lässt sich meist für 8 bis 14 Euro pro Quadratmeter professionell entfernen – deutlich günstiger als ein Neuanstrich für rund 45 Euro pro Quadratmeter. Risse sind dagegen nicht alle gleich zu behandeln: Einfache Putzrisse kosten meist wenig, echte Setzrisse durch Bewegungen im Baugrund können dagegen auf ein ernstes statisches Problem hinweisen und deutlich teurer werden. Laut Fraunhofer-Institut für Bauphysik sind rund 40 Prozent aller deutschen Wohnfassaden sichtbar von Algen-, Pilz- oder Flechtenbewuchs betroffen – besonders seit der flächendeckenden Verbreitung von WDVS-Dämmung.
Warum bekommen gerade gedämmte Fassaden Algen?
Das klingt zunächst widersprüchlich, hat aber einen einfachen bauphysikalischen Grund: Eine gut gedämmte Fassade hält die Wandoberfläche kühler, weil weniger Wärme von innen nach außen durchdringt. Kühlere Oberflächen trocknen nach Regen oder Tau langsamer ab – und genau diese anhaltende Restfeuchte ist die ideale Wachstumsgrundlage für Algen, Pilze und Flechten. Besonders betroffen sind:
- Nordseiten mit wenig direkter Sonneneinstrahlung
- Schattige Lagen unter Bäumen oder in der Nähe von Gewässern
- Bereiche unter der Dachtraufe ohne ausreichenden Dachüberstand
- WDVS-Fassaden mit EPS-Dämmung, die besonders anfällig für langsames Abtrocknen sind
Ist Algenbefall gefährlich für die Bausubstanz?
Algen selbst sind zunächst ein optisches Problem. Das eigentliche Risiko liegt in der anhaltenden Durchfeuchtung: Wasser, das durch den Bewuchs länger im Putz verbleibt, verursacht bei Frost-Tau-Wechseln Mikrorisse. Über Jahre entstehen so Abplatzungen, der Putz wird porös, und Schimmelpilze siedeln sich an. Wer Algenbefall über Jahre ignoriert, riskiert eine vollständige Putzsanierung für 40 bis 65 Euro pro Quadratmeter – ein Vielfaches der rechtzeitigen Reinigung.
Kosten der Algenentfernung
| Methode | Kosten pro m² | Wirkung |
|---|---|---|
| Hochdruckreinigung | 8–12 € | Schnell, aber Materialrisiko – nicht empfohlen für WDVS |
| Softwash mit Biozid | 8–14 € | Schonend, Standardmethode für die meisten Fassaden |
| Rote Algen (Trentepohlia), spezielle Biozide | 10–14 € | Hartnäckiger als Grünalgen, braucht abgestimmte Wirkstoffe |
| Mit anschließender Versiegelung | Aufpreis rund 750 € für 150 m² | Hält die Fassade 5 bis 8 Jahre algenfrei |
Wichtiger Warnhinweis: Hochdruckreiniger sind bei WDVS-Fassaden riskant. Der Druck kann die Putzstruktur aufrauen und Mikrorisse erzeugen – die dann noch schneller neuen Algenbefall anziehen als vorher. Fachbetriebe arbeiten deshalb mit Softwash-Verfahren bei niedrigem Druck (rund 30 bar).
Risse in der Fassade: Nicht alle sind gleich
Es gibt vier hauptsächliche Rissarten, die sich in Ursache und Ernsthaftigkeit deutlich unterscheiden:
- Schwindrisse (Schrumpfrisse): Feine, netzartige Haarrisse, entstehen durch zu schnelles Trocknen des Putzes, meist bei Neubauten. Optisch auffällig, aber selten strukturell gefährlich.
- Spannungsrisse: Entstehen durch thermische Ausdehnung und Materialbewegungen im Putz selbst. Sollten in der Regel nicht breiter als 0,2 Millimeter sein.
- Sackrisse: 10 bis 20 Zentimeter lange, meist horizontal durchhängende Risse, die entstehen, während der Mörtel noch elastisch ist.
- Setzrisse: Entstehen durch Bewegungen im Baugrund oder Setzungen des Gebäudes, verlaufen oft diagonal. Diese Risse sind das eigentliche Warnsignal – sie können auf statische Probleme hinweisen und erfordern zwingend eine fachliche Begutachtung.
Wie erkennt man, ob ein Riss noch „arbeitet“?
Eine einfache und kostengünstige Methode ist die Gipsplombe: Ein 1 bis 10 Millimeter dicker Gipsstreifen wird quer über den Riss aufgetragen. Reißt die Plombe innerhalb weniger Wochen erneut, handelt es sich um einen aktiven (bewegten) Riss, der weiter beobachtet und von einem Fachbetrieb beurteilt werden sollte. Bleibt die Plombe intakt, ist der Riss vermutlich ruhend und unkritisch.
Kosten der Rissanierung
- Feine Haarrisse: oft ausreichend mit elastischer Fassadenfarbe zu überbrücken, geringe Kosten
- Netzrisse/leichte Setzungsrisse: vollflächige Armierung mit Spachtelmasse und Glasfasergewebe nötig
- Einfache Spannungsrisse (nicht strukturell): Schließen mit Spiralankern und Spezialmörtel, rund 150 bis 300 Euro je laufendem Meter Riss, zuzüglich Gerüstkosten falls nötig
- Echte Setzrisse mit statischer Ursache: Kosten hängen vollständig vom zugrunde liegenden Schaden ab – hier ist zwingend ein Statiker oder Fachgutachter einzubinden, bevor überhaupt saniert wird
Wie beugt man Algen und Rissen wirksam vor?
- Regelmäßige Kontrolle und Reinigung von Dachrinnen, damit kein Wasser an der Fassade herabläuft
- Ausreichender Dachüberstand, um Schlagregen von der Fassade fernzuhalten
- Hydrophobierende Fassadenversiegelung nach der Reinigung
- Diffusionsoffene, hochwertige Putzsysteme statt Billigprodukten verwenden
- Neue Putzfassaden erst nach vollständiger Austrocknung des Untergrunds (meist rund ein Jahr) mit dem Endputz versehen
Wann zum Fachbetrieb, wann selbst versuchen?
Kleine Flächen bis etwa 10 Quadratmeter mit leichtem Algenbefall lassen sich mit Mitteln aus dem Baumarkt behandeln – der abgetötete Bewuchs muss danach aber manuell entfernt werden, sonst verfärbt er die Fassade dauerhaft bräunlich. Ab etwa 20 Quadratmetern sowie bei jedem Riss, der breiter als 0,2 Millimeter ist, sich vergrößert oder diagonal verläuft, sollte ein Fachbetrieb hinzugezogen werden.
Fazit
Algenbefall ist meist ein optisches und mit professioneller Reinigung günstig lösbares Problem – wird es aber über Jahre ignoriert, drohen teure Folgeschäden am Putz. Bei Rissen entscheidet die Art über die Dringlichkeit: Haarrisse sind meist unkritisch, Setzrisse können ein ernstes strukturelles Warnsignal sein und gehören immer in fachkundige Hände.
Häufige Fragen
Warum bekommen gedämmte Fassaden häufiger Algen? Gedämmte Wandoberflächen bleiben kühler und trocknen nach Feuchtigkeit langsamer ab – das begünstigt Algenwachstum, besonders auf Nord- und Schattenseiten.
Was kostet die professionelle Algenentfernung? Je nach Verschmutzungsgrad und Methode 8 bis 14 Euro pro Quadratmeter, deutlich günstiger als ein Neuanstrich.
Sind Risse in der Fassade immer gefährlich? Nein. Feine Haarrisse und Spannungsrisse sind meist unkritisch. Setzrisse, die durch Bewegungen im Baugrund entstehen, können dagegen auf ein statisches Problem hinweisen und sollten fachlich geprüft werden.
Wie erkennt man, ob ein Riss noch aktiv ist? Mit einer Gipsplombe: Reißt sie innerhalb weniger Wochen erneut, ist der Riss noch aktiv und sollte von einem Fachbetrieb beurteilt werden.
Sollte man Fassaden mit Hochdruckreiniger reinigen? Nein, bei WDVS-Fassaden nicht empfohlen – der Druck kann Mikrorisse erzeugen, die neuen Algenbefall begünstigen.
Quellen
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik – Untersuchungen zu Algen- und Pilzbefall an Wärmedämm-Verbundsystemen
- DIN 55699 – Verarbeitung von Wärmedämm-Verbundsystemen
- Biozidprodukte-Verordnung (EU) Nr. 528/2012
